Home

Der Ramadan ist ein spezieller Monat des Gottesdienstes im Jahr, in welchem uns das Fasten befohlen wird, welches gleichzeitig eines der Grundbausteine des Islams ausbildet. So wie das Fasten nichts Schlechtes für den Körper bewirktist es auch ein Gottesdienst mit unzähligen Vorteilen wie etwa die Steigerung des Bewusstseins ein Diener Gottes zu sein, die bessere Wahrnehmung der Gnadengaben Gottes, das Dsziplinieren der Triebe oder die Steigerung der Empathie für die sozial schwächer gestellten unserer Gesellschaft. Manche dieser Gesichtspunkte wollen wir nun unter den jeweiligen Überschriften näher beleuchten;

1. Fasten im Hinblick auf das Wahrnehmen der Gnadengaben Gottes

Gott hat die Welt in Form eines gedeckten Tisches mitsamt unzähligen Gaben geschaffen.  Die Gaben auf diesem Tisch hat Gott um den wertvollsten Gast im Kosmos, den Menschen herum geschaffen. Diese Gaben wurden aus “unerwarteten Stellen” (vgl. Sura aṭ-Ṭalaq 65/3) dem Menschen zur Nutzung präsentiert.

Ein giftiges Insekt, die Biene produziert viel mehr Honig als es braucht und bereitet es somit mit der Eıngebung Gottes für den Menschen vor, während ein anderes Insekt, die Seidenraupe Blätter frisst und mit der Eıngebung Gottes Seide für den Menschen produziert. Gott hat auf diese Weise die sämtliche Schöpfung dem Menschen dienlich gemacht, damit dieser die allseitige und immerwährende Versorgung Gottes versteht.

Die Menschen schreiben allerdings zumeist diese Gaben unter dem Mantel der Unachtsamkeit und der den Sinnen vordergründigen Warhnehmung der materiellen Enstehungsgründen den jeweiligen Gründen (der Entstehung) zu ohne dabei die Verbindung zu Gott herzustellen und vernehmen die Gnadengabe Gottes somit nicht wirklich.

Im heiligen Monat des Ramadans warten alle Muslime wie eingeladene Gäste des versorgenden Gottes bis zum Abend auf die festvolle Speisung und dem Befehl Gottes “sich zu Tisch zu setzen”. Während dieser Wartezeit distanziert sich der Mensch von Speisen und Trank sowie von geschlechtlichen Gelüsten und zeigt quasi eine Haltung als Diener Gottes die einem Engel gleicht. So vernehmen bzw. verstehen die Menschen die oben genannten und weitere nicht genannte Gaben und sie bemühen sich ihre Dankbarkeit gegenüber diesen Gaben von denen sie gemerkt haben, wie wertvoll sie sind, auszudrücken. Sämtliche Menschen auf der Welt formen sich quasi zu einer gewaltigen Armee und gehen einen großen und allumfassenden Gottesdienst ein, indem sie zusammen essen und trinken.   

Würde denn ein Mensch sich seiner Bezeichnung noch würdig erweisen, wenn er in diesem heiligen Monat des Gottesdienstes es bevorzugt wie ein Tier weiterhin zu essen und zu trinken während er wie die Engel einen ehrenvollen Rang im Gottesdienst hätte erreichen können?

 

2. Fasten im Hinblick auf den Ausdruck der Dankbarkeit

Eine der Weisheiten des Fastens im Ramadan ist es die Gaben Gottes zu verstehen und seine Dankbarkeit zum Ausdruck zu bringen.

Die Gaben erreichen uns mit verschiedensten Ursachen bzw. Mitteln. Denken wir an die Enstehung eines Apfels. Bevor der Apfel uns erreicht durchläuf er verschiedenste Schritte, vom Baum stammt er, vom Baum fällt er, dort wird er aufgesammelt und vom jeweiligen Händler verkauft. 

Wir schreiben diese Gaben zumeist diesen Enstehungsgründen zu und sehen Gott als den wahren Besitzer der Gaben nicht. Statt unseren Dank gegenüber Gott der dem Dank würdig ist auszudrücken, bedanken wir uns bei der Person die uns den Apfel bringt.

Für diesen Apfel hat im Hintergrund allerdings der ganze Kosmos gearbeitet. Denn für diesen Apfel brauchten wir die Sonne und eine sich drehende Erde. Wir brauchten ein Klima. Der leblose, farblose, geschmacklose und geruchlose Samen formt sich zu einer lebendigen, farbenfrohen, geschmackvollen und wohlriechenden Frucht. Wir sehen somit, dass die Geschöpfe arbeiten, so als ob sie ein Bewusstsein hätten und zeigen uns das Wissen, den Willen und die Allmacht Gottes auf. 

Wir können uns den Zustand einer Person die den Ursachen mit denen die Gabe Gottes kommt den eigentlichen Wert zuschreiben und so den Besitzer der Gaben nicht erkennen folgendermaßen vor Augen führen:

Nehmen wir an ein König schickt uns stellvertretend mit seinen Bediensteten einige Geschenke. Wäre es denkbar unseren Dank gänzlich diesem Bediensteten zu erbringen und den König einfach zu ignorieren?

Entsprechend diesem Beispiels sind die Ursachen mit denen bzw. durch die, die Gaben uns erreichen lediglich so etwas wie stellvertretende Bedienstete. Der wahre Besitzer ist Gott der Allmächtige. Gott will entgegen dieser Gnadengaben die Dankbarkeit des Menschen. Diese Dankbarkeit wird eben ausgedrückt durch das Rückbeziehen der Gaben zu Gott, sie direkt von Gott kommend zu sehen, über den Wert der Gaben zu sinnen und zu vernehmen bzw. zu verspüren, wie sehr wir diese Gaben brauchen.

Der heilige Monat des Ramadan ist ein Schlüssel zur wahrhaftigen und reinherzigen Dankbarkeit. Unter normalen Umständen ohne Zwang, würden viele Menschen einen wahrhaftigen Hunger und eine Bedürftigkeit gar nicht erst verspüren. Ohne den Hunger und die Bedürftigkeit versteht man nunmal nicht wirklich den Wert der Gaben. Ein satter und vor allem ein reicher Mann würde den Wert von trockenem Brot nicht erkennen und wissen können.

Wenn der Muslim aber das Fasten bricht und sich zu Tisch setzen kann, vernimmt er den Genuss dieses trockenen Brots und nimmt das Brot als eine überaus wertvolle Gabe Gottes wahr. Vom Reichsten bis hin zum Ärmsten, nimmt jeder im ehrenvollen Ramadan den Wert dieser Gaben wahr und drückt somit seine Dankbarkeit gegenüber Gott aus.

So wie es tagsüber verboten ist zu essen und zu trinken nimmt er die Gabe als solche wahr, da er innerlich sagt “Diese Gaben gehören mir nicht. Ich bin nicht frei in ihrer Eınnahme. Sie sind also das Eigentum und die Darbietung eines Anderen. Ich warte auf sein Befehl.” Auf diese Weise verkommt das Fasten aus verschiedensten Gesichtspunkten zum Schlüssel zur Dankbarkeit, welches mitunter die eigentliche Aufgabe des Menschen hier auf der Welt ist.

 

3. Fasten im Hinblick auf die positive Wirkung für die Gesellschaft

Einer der Weisheiten warum das Fasten uns befohlen wird ist es, das Fasten als ein Mittel zu nutzen um die verschiedenen sozialen Klassen näher zueinander zu bringen und ihnen zu helfen gegenseitig die Lebenswirklichkeit der anderen Menschen zu realisieren. Die Lebensumstände der Menschen können sehr unterschiedlich ausfallen. Manche sind wohlhabend und manche haben weitaus weniger. Gott lädt aufgrund dieser Unterschiede die Wohlhabenden durch die Almosensteuern und die Abgaben zur Hilfe und zum Beistand ein. Die Wohlhabenden verstehen jedoch die bitteren Lebensumstände, den Hunger und die Bedürftigkeit der Armen unter normalen Umständen nicht. Erst durch das Fasten im Ramadan kommen sie dem näher und fühlen dies. Wenn es das Fasten nicht gäbe würden die überaus Wohlhabenden die nichts anderes als sich selbst sehen und bedenken, nicht gänzlich verstehen wie schlimm es ist hungernd und bedürftig zu sein und wie sehr diese Menschen auf Hilfe angewiesen sind.

Dass der Mensch seines Gleichen gegenüber Barmherzigkeit zeigt ist essenziel für die wahrhaftige Dankbarkeit gegenüber Gott. Jede Person ist in der Lage einen Bedürftigeren als sich selbst zu finden. Ihn obliegt es gegenüber dieser Person Barmherzigkeit walten zu lassen. Wenn es den Zwang nicht gäbe durch das Fasten sich selbst und seiner Triebseele den Hunger zu lehren, wären wir nicht in der Lage den Menschen bezüglich derer es uns obliegt Barmherzigkeit walten zu lassen zu helfen. Zumindest wäre diese Hilfe zu einem anderen Zeitpunkt nicht so effektiv wie zum Ramadan, wo die geistige Haltung des Muslims sich schlagartig ändert. Denn nur im Ramadan verspürt der Mensch solche Zustände vollends in seiner Gefühlswelt.

 

4. Fasten im Hinblick auf das Formen und Erziehen der Triebe

Einer der Weisheiten warum das Fasten uns befohlen wird ist es, dass das Fasten für diesen Zweck ein idealer Gottesdienst ist. Denn der triebgeleitete Mensch und das Ego geht von seiner Freiheit aus und will frei agieren. Das Ego des Menschen denkt sogar es hat eine schöpferische Qualität. Es will nicht daran denken, dass es eigentlich von unzähligen Gnadengaben Gottes geformt wird. Wenn es dann noch im weltlichen bzw. materialistischen Sinne wohlhabend und vermögend ist und die Unachtsamkeit seine Augen geblendet hat, dann vertilgt und labt der egoistische Mensch sich in den Gaben Gottes quasi wie ein raubendes und primitives Tier.

Durch den heiligen Ramadan versteht eben jeder, vom Reichsten bis hin zum Ärmsten in seiner Gefühlswelt, dass er nicht König sondern Diener ist, nicht frei sondern Knecht ist. Wenn die Erlaubnis nicht ausgesprochen ist, kann er simpelste und einfachste Dinge nicht tun. Weil er nicht nach dem Wasser greifen kann, wird sein sich selbst erdachtes Schöpfertum zerschlagen. Er erkennt seinen Status als Diener Gottes wieder und nimmt diesen Status an, womit er in den Zustand der Dankbarkeit gegenüber Gott übergeht, welches seine Aufgabe ist. 

Das Fasten im Ramadan zerschlägt somit auf direktem Wege das egoistische und sich nicht beugende, anarchistisch angehauchte Verhalten des triebgesteuerten Menschen. Das Fasten zeigt ihn seine Bedürftigkeit, sein Unvermögen und seine Armut auf, somit zeigt es ihm, dass er ein Knecht Gottes ist.

Es wird in der Überlieferung folgender Dıalog dargestellt:

Gott der Allmächtige sprach zur Triebseele (“Nafs”): “Was bin ich, was bist du?”

Die Triebseele sagte: “Ich bin ich und du bist du”.

Gott hat die Triebseele in die Hölle verbannt und hat anschließend wieder die selbe Frage gestellt. Dıe Antwort blieb gleichermaßen:

“Ich bin ich und du bist du”. Welch Pain auch immer Gott der Triebseele verhängt hat, die Triebseele wollte nicht von ihrem überheblichen und egoistischen Stolz abweichen. Danach hat Gott die Triebseele mit Hungersnot gestraft. Die Triebseele musste also hungern. Dann fragte Gott wieder:

“Was bin ich, was bist du?” Die Triebseele antwortete nun: “Du bist mein barmherziger Schöpfer. Ich bin dein hilfloser Diener” (Vgl. El-Havbevî, Dürretüt’l-Vâizîn, s. 11.).

 

5. Fasten im Hinblick auf das Verstehen der Ohnmacht und der Hilflosigkeit des Menschen

Das Fasten hat viele Vorteile, wenn es darum geht zu verstehen dass der Mensch unzählige Bedürfnisse hat, gewissermaßen von Armut geprägt ist und wie hilflos er doch ist bei der Deckung dieser Bedürfnisse. Einer dieser Vorteile sieht so aus:

Der Mensch vergisst aufgrund der Unachtsamkeit seine eigene Beschaffenheit. Er sieht nicht oder will nicht sehen, was für ein hilfloses, bedürftiges und makelhaftes Geschöpf er ist. So wie aber der Mensch unzählige materielle Bedürfnisse wie Sauerstoff und Wasser hat, so hat er auch unzählige emotionale Bedürfnisse wie Geborgenheit, Liebe und Barmherzigkeit, von denen er abhängig ist und in der Beschaffung dieser er bedürftig ist. Und er kann nur einige dieser Bedürfnisse selbst decken, bei den meisten Bedürfnissen ist er hilflos. Regen ist nötig für das Wasser. Der Mensch kann es aber nicht einfach so ohne Weiteres regnen lassen. Damit wir Brot essen können, muss die Sonne scheinen, die Erde sich drehen und das Ökosystem muss neben noch vielen anderen Faktoren arbeiten. Wie hilflos doch der Mensch dabei ist, diese Faktoren zu beeinflussen liegt klar auf der Hand.  

Der Mensch vergisst auch gerne wie schwach, zerbrechlich, verletzbar, fragil und vergänglich er ist. So als ob er aus unzerbrechlichen Stahl gemacht wäre, stürzt er sich auf die Welt, im Gedanken unsterblich und ewig während. Mit einem überzogenen Eifer, einem Hunger und einer sehnsüchtigen Verbundenheit umarmt er die Welt. Er bindet sich an allem was nützlich und lustvoll ist. So wie den barmherzigen Schöpfer seiner Selbst und den eigentlichen Zweck seines Lebens vergisst, so denkt er auch nicht an sein ewig währendes jenseitiges Leben und labt sich in den Sünden dieser Welt. Das Fasten im heiligen Monat des Ramadan lehrt selbst die egoistischsten und eigensinnigsten Menschen wie schwach, bedürftig und hilflos sie doch sind. Durch den Hunger gedenkt er seinen Magen und verspürt das Bedürfnis seines Magens. Er erinnert sich daran, wie schwach und zerbrechlich sein Körper ist. Er erinnert sich daran wie sehr er doch der Barmherzigkeit und der Führsorge Gottes bedürftig ist. Der Mensch weicht von seiner einem Pharao gleichenden Selbstglauben ab und verspürt den Drang sich mitsamt seiner Hilflosigkeit in die heilige Obhut Gottes zu begeben und begibt sich so mit seiner Dankbarkeit betend in die barmherzige Audienz Gottes – Sofern die Unachtsamkeit gegenüber Gott nicht bereits das Herz versiegelt hat. 

 

6. Fasten im Hinblick auf den Qurʾān

Der ehrenvolle Ramadan ist der Monat, an dem der heilige Qurʾān auf die Erde herabgesandt wurde. In diesem heiligen Moment der Herabsendung wurde uns das Fasten befohlen, als eine ehrwürdige Entgegnung der Herabsendung des Qurʾāns.

In diesem Monat ähnelt der Mensch sozusagen den Engeln, da er seine Triebe gegenüber den schlechten Gelüsten und den gehaltlosen Dingen der Welt versagt und vom Essen und Trinken abtritt. In diesem Zustand erhöhrt und liest er den Qurʾān als ob er neuerdings herabgesandt wurde. Er kann in diesem Moment einen besonders spirituellen Zustand erlangen wenn er die göttliche Anrede im Qurʾān so vernimmt als ob sie neuerdings herabgesandt wurde. Manche besonders beschaffenen Seelen vernehmen in dem Zustand den Qurʾān sogar so, als ob sie den Propheten (s.a.s.) zuhören würden. Und als Übersetzer kann der Mensch auch andere an der göttlichen Anrede teilhaben lassen, so verbringt er diese Zeit im besten Sinne, gemäß des Ramadan und Zwecks seiner Schöpfung.  

Zum Ramadan verwandelt sich die Welt der Muslime zu einer riesigen Gebetsstätte. In dieser riesigen Gebetsstätte lassen Millionen von Rezitatoren des Qurʾāns die göttliche Anrede überall in dieser riesigen Gebetsstätte also auf der ganzen Welt erklingen. Jeder Ramadan ist "Der Monat an dem der Qurʾān herabgesandt wurde" (Vgl. Sura al-Baqara 2/185).Dieser Vers zeigt glanzvoll dass der Ramadan der Monat des Qurʾāns ist. Die islamische Gemeinde zelebriert diese Beziehung und beschäftigt sich mit dem Qurʾān aus nächster Nähe.  

Wir können mit einem Beispiel besser verstehen welch schlechte Tat es ist sich in solch einer Zeitspanne, in der die islamische Gemeinde die Erde in eine gewaltige Gebetsstätte verwandelt, seinen niederen Gelüsten nieder zu geben und durch das Essen und Trinken zu dieser Zeit seine glanzvolle und gesegnete Aufgabe nicht zu erfüllen:

So wie es eine große Respektlosigkeit wäre während der Gebetszeit in der Moschee herum zu spielen und lauthals zu singen während der Qurʾān rezitiert wird, so ist es auch eine große Respektlosigkeit zur Zeit des Ramadan in der die gesamte islamische Gemeinde fastet und mit dem Gottesdienst sowie den Qurʾān beschäftigt ist, das Fasten durch Essen und Trinken oder durch andere entsprechende Taten zu verletzen.

 

7. Fasten im Hinblick auf die Entlohnung im Jenseits

Der Mensch ist auf die Welt gekommen um sich das Jenseits zu verdienen. Die Zeitspanne rund um den Ramadan eignet sich bestens dazu. Die guten Taten werden nämlich zum Ramadan tausendfach vergütet. In jedem Buchstaben des Qurʾāns entfaltet sich eine zehnfache Vergütung und zehnfach Früchte aus dem Garten des Himmels (Vgl. Tirmizî, Fezâilü’l-Kur’ân, 16; Mecmeu’z-Zevâid, 7/163). Zum glanzvollen Ramadan entfaltet jeder Buchstabe des Qurʾāns nicht nur einen zehnfachen Segen sondern einen zehntausendfachen Segen und besondere Verse entfachen in jedem Buchstaben nochmals tausendfachen Segen. Zum Freitag im Ramadan steigt dies noch weiter an (Vgl. Deylemî, Müsnedü’l-Firdevs, 3/130). Und zur heiligen Nacht der Allmacht (“laylat-l-qadr”) gipfelt dies und man erhält für jeden rezitierten Buchstaben des Qurʾāns dreißigtausendfache Vergütung (Vgl. Sura al-Qadr 97/3).

In der Tat bringt lässt der Qurʾān der einen in jedem Buchstaben den Lohn von dreißig tausend Früchten erbringt, zum ehrenvollen Ramadan Millionen von ewig währenden Früchten verdienen. So sollten wir uns bemühen zu verstehen welch großen Verdienst man liegen lässt im Angesicht dieses heiligen, ewigen und verdienstvollen Handels, wenn man die Relevanz des Lesens des Qurʾāns nicht lobpreist.   

Der heilige Monat des Ramadans ist eben wie ein höchst lukrativer Markt für das Erwirtschaften des Jenseits. Es ist ein höchst ertragreicher Boden für die jenseitige Ernte. Es ist quasi wie ein kräftiger und segnender Regenschauer für unseren Gottesdienst. Diese gesegnete Zeitspanne ist wie eine Parade in der die Menschen die Haltung eines Diener Gottes annehmen und dies allen Geschöpfen und allen vorran Gott präsentieren.

Hierfür wurde das Fasten als ein Gottesdienst den Menschen befohlen, um ihn von den niederen leiblichen Bedürfnissen die seine Unachtsamkeit gegenüber Gott fördern würden und denen er hinterher rennen würde abzuhalten. So ist es auch möglich den Engeln gleich eine Haltung gegenüber Gott quasi frei von Makeln und Trieben einzugehen. 

Der ehrenvolle Ramadan hält ein ewig währendes Leben inne und lässt es uns in dieser vergänglichen Welt und in diesem vergänglichen kurzzeitigen Leben gewinnen. Wahrlich kann ein einziger Ramadan sofern er wahrhaftig und würdevoll erfahren wird, durch die Beinhaltung der Nacht der Allmacht den Lohn eines ganzen mit Gottesdienst verbrachten Lebens erbringen.   

Ein Herrscher hebt auch einige spezielle Tage im Jahr im Sinne eines Festes hervor und entlohnt sein Volk sowie seine Bediensteten mit manchen Darbietungen. So hat der ewige Herrscher und Schöpfer der keinen Anfang hat und über achtzehn tausend Reiche/Dimensionen verfügt den heiligen Qurʾān als Erleuchtung für all diese Reiche/Dimensionen herabgesandt. Natürlich ist es logisch naheliegend dass der Ramadan die Gestalt eines spirituellen Fests annimmt.  

Der Ramadan ist somit ein göttliches Fest. Natürlich wird uns dann das Fasten befohlen, um uns von teilweise sinnlosen und tierischen bzw. triebgesteuerten Handlungen abzuhalten. Das perfekte Fasten ist dann ein Fasten mit sämtlichen Emotionen und Organen, mit Körper sowie Herz und Geist. Durch die Distanzierung von Schlechtem und Verbotenem lenken wir jedem unserer einzelnen Organe zu einen besonderen Gottesdienst.

Das perfekte Fasten wäre z.B. unsere Zunge von Lügen, Gerüchten und hässlichen Ausdrücken abzuhalten und die Zunge mit Rezitationen, Gedenken, Huldigungen, Buße und ähnliches beschäfigt zu halten. Anderweitig könnte man das Auge von verbotenen Eindrücken und Illustrationen fern halten und unser Auge auf Würdevolles sowie an Gott erinnerndes richten. Das Ohr könnte man von dem Hören von schlechten Dingen wie negativ aufgeladenen Unterredungen und Geläster fern halten und es auf das Hören von Vorlesungen voller Weiseheiten und Rezitationen richten. So fastet man gebührend mit sämtlichen Organen und Facetten des Lebens.

 

8. Fasten im Hinblick auf die Vorteile für unser Leben

Das Fasten im ehrenvollen Ramadan bringt dem Menschen in materieller sowie spiritueller Ebene jede Menge Vorteile. Das Fasten wirkt wie eine Art Medizin auf Körper und Geist. So wie der Mensch seinen leiblichen Gelüsten freien Lauf lässt und damit langfristig seinen Körper schadet und alles einfach wie ein aggressives Tier ohne Acht auf Gebot und Verbot vertilgt, so vergiftet er allmählig auch seine Spiritualität. In diesem Zustand bändigt man seine Triebseele, die mit dem Befolgen von Befehlen immer Schwierigkeiten hat. Letztendlich stirbt die Triebseele nie ab, aber sie kann immer Überhand über den Menschen gewinnen.  

Manche erleuchtete und weise Menschen sprechen bei der Erziehung bzw. Bändigung der Triebseele dem Verringern von Essen und Trinken und dem Vermehren des Gottesdienstes eine wichtige Rolle zu. Das Fasten im Ramadan leistet unter anderem genau dies und hilft dabei die Triebseele zu erziehen bzw. zu bändigen.

Der Magen der ansonsten eine Malhzeit nach der anderen mühselig verdauen muss, kann sich nun auch erholen. Durch das Befolgen des göttlichen Befehls nicht zu essen und zu trinken, etwas was normalerweise erlaubt wäre, fällt es dem Menschen geistig sowie körperlich schrittweise auch einfacher ohnehin Verbotenes zu meiden. Auf diese Weise ordnet er auch sein religiöses Leben.

Auf der anderen Seite verspüren viele Menschen oftmals Hunger. Um sich in Geduld und Ausdauer zu üben ist man auf Hunger und Verzicht angewiesen. Das Fasten welches zu manchen Momenten bzw. Situationen weit über zehn Stunden andauern kann ist gewissermaßen das ideale Training hierfür. Der Verlust an Geduld und Ausdauer gegenüber ungewollten Dingen und Situationen ist eine Krankheit unserer Zeit und das Fasten ist die ideale Medizin.

Mit dem Magen und dem Sättigungsgefühl hängen viele materielle sowie spirituelle Facetten des Menschen zusammen. Wenn der Magen zu dieser besonderen Zeit des Jahres nicht gereinigt wird und sich erholen kann, so vergisst auch der restliche Körper seine eigentliche Aufgabe des Gottesdienstes und ist mehr mit dem leiblichen Wohl beschäftigt. Daher ist es üblich gewesen dass erleuchtete und spirituell erhabene Menschen mit und für den spirituellen Aufstieg sich den nieden Gelüsten entsagen und vom Essen und Trinken abtreten. 

Wenn wir den Körper als eine Fabrik ansehen und die Organe als die Mitarbeiter in dieser Fabrik, so erinnern und lernen diese Mitarbeiter durch das Fasten im heiligen Monat des Ramadans dass sie nicht einzig und allein zum Essen und Trinken da sind. Den körperlichen und niederen Gelüsten entgegen genießt der Mensch zur Zeit des Ramadans geistige und spirituelle Gaben Gottes. Daher kommen den Gläubigen gemäß ihrer geistigen Kapazitäten und Bemühungen zum Ramadan ganz eigene Erleuchtungen, spirituelle Genüsse und Segen hinzu. Durch die Gelegenheit des Fastens zum ehrenvollsten und Monat aller Monate gibt es viele Gelegenheiten zur Erleuchtung und Entfaltung von Körper, Geist und Seele sowie anderen Facetten des Lebens die wir noch gar nicht vor Augen haben. Entgegen dem Weinen des hungernden Magens lächeln sie alle engelsrein.